Hamburger Architektur Sommer 2019
 
 
Ausstellung als Begleitung einer Vortragsreihe
06.06 bis 13.07

"Spartakus in Grün". Leberecht Migge und die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts

Der Gartenarchitekt Leberecht Migge (1881–1935), bis 1913 künstlerischer Leiter der Hamburger Gartenbaufirma von Jakob Ochs und Verfechter des architektonisch geprägten Reformgartens, nahm sich früh auch sozialen Aspekten seiner Arbeit im Themenfeld „Großstadt und Garten“ an. Als Reaktion auf Nahrungsmangel, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg propagierte er die Selbstversorgung in genossenschaftlichen Siedlungen mit „Gärten in Massen“. Ferner gründete er eine „Siedler-Schule“ und war in Zusammenarbeit mit Otto Haesler, Bruno Taut, Martin Wagner und Ernst May an prominenten Siedlungs- und Freiraumplanungen in der Weimarer Republik beteiligt. 1926 verfasste er das „Grüne Manifest“. Mit Hilfe von Abfallaufbereitung und Schmutzwasserverwertung sollten wirtschaftlich entlastende Erwerbsgärten entstehen. Mit seinen vorausschauenden Konzepten – formuliert in Schriften wie „Jedermann Selbstversorger“ oder „Die wachsende Siedlung nach biologischen Gesetzen“ – machte Migge seinen Standpunkt für eine Grünpolitik der Moderne deutlich. Die von ihm angeregten Experimente der Wiederverwertung im urbanen Nahrungsmittel- und Abfallkreislauf haben heute auch Einfluss auf Ideen, die wie „Urban Gardening“ oder „Urbane Landwirtschaft“ versuchen, diese Aspekte stärker in die verdichtete Stadt einzubringen.

Die Entwicklungen ab 1919 bewirkten einen entscheidenden Umbruch auch in Migge’s Wirken. Die Programmatik wie das Sendungsbewusstsein seiner Konzepte sind im komplexen Themenfeld des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ bestens verortet. Ihre Aktualität wie auch die historische Figur mit ihrem Schaffen und Wirken werden Gegenstand einer universitären Vortragsreihe sein. Längst verschollen geglaubte Pläne und Entwürfe seiner frühen Arbeiten sollen als Hauptexponate einer Ausstellung erstmals der Hamburger Öffentlichkeit präsentiert werden. Im Rahmen des Hamburger Architektursommers werden Ausstellung und Vorträge mit einem Begleitprogramm versehen, zu dem u. a. eine Diskussionsveranstaltung und Filmvorführung gehören.

 

Kurator/innen: Heino Grunert, Dr. Jörg Schilling, Prof. Christiane Sörensen

Vernissage Galerie Renate Kammer / Architektur und Kunst: 06. Juni um 19:30 Uhr

Finissage Galerie Renate Kammer / Architektur und Kunst: Samstag 13. Juli 2019

Veranstalter*in:  Heino Grunert, Behörde für Umwelt und Energie / Bereich Gartendenkmalpflege (Hamburg), Prof. Christiane Sörensen, Hafen-City-Universität Hamburg, Dr. Jörg Schilling, Martin-Elsaesser-Stiftung (Frankfurt), Renate Kammer, Galerie Renate Kammer / architektur und kunst
Termin: 06.06 bis 13.07, Di bis Fr 12 - 18 Uhr Sa 11 - 15 Uhr
Eröffnung: 6. Juni, 19.30 Uhr;
Abschluss: 13. Juli
Ort: GALERIE RENATE KAMMER architektur und kunst , 20097 Hamburg, Münzplatz 11
Info: 040 232 651
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Karte
Leberecht Migge auf der Sonneninsel / Seddinsee bei Berlin
© Martin Elsaesser Stiftung
Leberecht Migge am Eingang der Villa Reemtsma / Hamburg
© Martin Elsaesser Stiftung
Entwurf Wacholderpark Fuhlsbüttel 1909
© Ein Parkbuch von Werner Hegemann, Berlin 1911
Cover: Leberecht Migge: Die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts, Jena 1913
© Keine

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