Hamburger Architektur Sommer 2019
 
 
Ausstellung
10.05 bis 22.05

Ines Doleschal - raum:zeichen

Architektur und Malerei stehen bei der Berliner Künstlerin Ines Doleschal seit vielen Jahren in einem produktiven Dialog. Inspiriert durch großstädtische Architektur insbesondere der 60er und 70er Jahre, aber auch durch kühne bauliche Würfe der Nachwendezeit, konstruiert und dekonstruiert sie malerisch, collagierend und skulptural Formen und Farben zu einem neuen Raumerlebnis. Neben den brutalistischen „Betonmonstern“ der europäischen Metropolen ist für die Künstlerin immer wieder Dessau Anziehungspunkt. In den eleganten Meisterhäusern hat sich für sie eine farbige Welt aufgetan, die im weißen Äußeren kaum zu vermuten ist. In Auseinandersetzung mit den Raum- und Farbplänen der Meisterhäuser und der Werkstatt für Wandgestaltung entfaltet Ines Doleschal in ihrer Serie „Hommage an H.S.“ freie architektonische Formen zu Farbkompositionen. Hier zeigt sich, dass – entgegen dem anfänglichen Wunsch von Gropius – auch Farbe ein Bauhauskapitel ist, befördert durch Hinnerk Scheper und seine Kollegen Kandisky und Klee. So wurde Farbe und die aus ihr fließende Kraft als gestaltendes Element schließlich zu einer „der wichtigsten Angelegenheiten des Bauhauses“, wie in einem Meisterratsprotokoll von 1924 nachzulesen ist.

Die offenen, von der Farbe getragenen Kompositionen finden sich auch in Ines Doleschals Collagen-Serien, in die sie fotografische Details vorgefundener Architekturen einbaut und sensibel mit farbigem Papier verbindet. Ebenso ist in den Malerei-Serien vielschichtig gestalteter Raum Träger einer intensiven Chromatik. Lebendig und differenziert, opak und transparent setzt sie die Farbe in der Behandlung von Binnenstrukturen, präzise und klar an den Kanten und Farbumbrüchen von einem Feld zum anderen ein.

 

In einem elementaren Sinn erprobt die Künstlerin die Möglichkeiten der Malerei in der Zwiesprache mit dem Raum. Damit nähert sie sich einem Thema, das selbst im Hype des Bauhaus-Jubiläums wenig Beachtung findet: Zwar hatte Gropius 1919 noch alle Talentierten „ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht“ ans Weimarer Bauhaus geladen, doch zeigte sich bald, dass er und seine Werkmeister den vielen Bewerberinnen keine Studienplätze in den Architektur- oder Stadtplanungsklassen gewähren wollte. Frauen gehörten in die Textilklassen - entsprechend ihrer tradierten kunstgewerblichen Orientierung. Damit waren die Königsdisziplinen Architektur und Malerei weiterhin männlich besetzt und das „avantgardistische“ Bauhaus bediente jahrhundertealte Rollenklischées. Ines Doleschal möchte eine neue Serie Künstlerinnen wie Friedl Dicker, Gunta Stözl oder Anni Albers – um nur die Bekanntesten der Unbekannten zu nennen – widmen und damit malerisch feiern, was den Bauhaus-Frauen vor 100 Jahren verwehrt blieb.

Veranstalter*in:  Galerie Nanna Preußners
Termin: 10.05 bis 22.05, Di-Fr 12-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr u.n.V.
Eröffnung: 10.05., 18-21 Uhr
Ort: Galerie Nanna Preußners, 20095 Hamburg, Klosterwall 13, Galeriehaus Hamburg
Info: 0179-7392894

Karte
bauhaus, weiblich (für Anni #1), 2019
© Ines Doleschal
Faltungen Nr. 17, 2016/18
© Ines Doleschal
Hommage an H.S. Nr. 17
© Ines Doleschal
Haus Kandinsky
© Ines Doleschal

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