Hamburger Architektur Sommer 2019
 
 
Diskussion in Anschluss an Vortrag von Prof. Philipp Oswalt
02.07

Migge 2019. Positionen für eine grüne Moderne

Der Gartenarchitekt Leberecht Migge (1881–1935), bis 1913 künstlerischer Leiter der Hamburger Gartenbaufirma von Jakob Ochs und Verfechter des architektonisch geprägten Reformgartens, nahm sich früh auch sozialen Aspekten seiner Arbeit im Themenfeld „Großstadt und Garten“ an. Als Reaktion auf Nahrungsmangel, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg propagierte er die Selbstversorgung in genossenschaftlichen Siedlungen mit „Gärten in Massen“. Ferner gründete er eine „Siedler-Schule“ und war in Zusammenarbeit mit Otto Haesler, Bruno Taut, Martin Wagner und Ernst May an prominenten Siedlungs- und Freiraumplanungen in der Weimarer Republik beteiligt. 1926 verfasste er das „Grüne Manifest“. Mit Hilfe von Abfallaufbereitung und Schmutzwasserverwertung sollten wirtschaftlich entlastende Erwerbsgärten entstehen. Mit seinen vorausschauenden Konzepten – formuliert in Schriften wie „Jedermann Selbstversorger“ oder „Die wachsende Siedlung nach biologischen Gesetzen“ – machte Migge seinen Standpunkt für eine Grünpolitik der Moderne deutlich. Die von ihm angeregten Experimente der Wiederverwertung im urbanen Nahrungsmittel- und Abfallkreislauf haben heute auch Einfluss auf Ideen, die wie „Urban Gardening“ oder „Urbane Landwirtschaft“ versuchen, diese Aspekte stärker in die verdichtete Stadt einzubringen.

Veranstalter*in:  Prof. Christiane Sörensen / HCU, Hafen City Universität
Termin: 02.07, Beginn mit Vortrag um 17 Uhr
Ort: Hafen City Universität, 20457 Hamburg, Überseeallee 16
Info: 040 47 05 20, 0177 66 33 703
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Leberecht Migge um 1933
© Bildarchiv Martin Elsaesser Stiftung

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