Hamburger Architektur Sommer 2019
 
 
Bewegungsperformance zum Anschauen und Mitmachen
16.06

Das menschliche Maß - Zellen

In der Praxis von Bewegungskunst begegnet und erfährt der sich bewusst bewegende Mensch drei Arten von Räumen:

Dem eigenen Körper

Dem physikalischen Raum

Dem Beziehungsraum zu anderen Lebewesen

Jeder dieser Räume hat seine Besonderheiten und ich nehme jeden dieser Räume auf meine mir eigene Art und Weise wahr. Keiner dieser Räume kann ohne den anderen existieren.

Architektonische Gebilde sind Abbilder dieser drei Räume:

Vergrößerte Körper, die dem eigenen Körper einen besonderen Schutz bieten, (Wohnungen; Hütten und Häuser)

Verkleinerte, idealisierte Universen, die die Welt begreifbar und nutzbar machen, indem sie der Unendlichkeit des physikalischen Raums ein Maß zu geben scheinen (sakrale Bauten, aber auch technische Kathedralen),

Beziehungsräume als Räume des Austauschs (Parlamente, Kaufhäuser, etc.)

Diese Performance soll diese Erfahrungen auf reale Räume anwenden und bewusst machen. Verwendet wird eine einfache Bewegung, bei der wir uns vorwärts auf den Boden legen, um eine Strecke auszumessen. Beim Aufstehen landen dann die Füße am Kopfende, dadurch bewegen wir uns im Raum fort. Es wird immer die gleiche Bewegung verwendet, wobei der eigene Körper als Maß gebraucht wird. Dies erzeugt eine extreme Verlangsamung bei größtmöglichem Körpereinsatz.

Gleichzeitig entspricht die Bewegung dem "Großen Grüßen" aus dem buddhistischen Kontext", wobei es hier nicht um eine religiöse Konnotation, sondern schlicht um den Ausdruck von Respekt geht, einem geistigen Prinzip, das auf die bewusste Begegnung mit Menschen und Natur, und, letzten Endes, auf die Beziehung zwischen sich selbst und dem Universum zielt. Auch in der Pilgerpraxis des mittelalterlichen Europas hat es solche Formen gegeben. (den Weg nach Rom mit dem Körper ausmessen)

Dafür ist es wichtig, dass die Bewegung bewusst ausgeführt wird, gegenwärtig, unmittelbar und in sich abgeschlossen. Auch wenn sie aus einem spirituellen Kontext entlehnt ist, will die Bewegung niemanden von etwas überzeugen. Aber sie trägt in sich die Erfahrungen unzähliger Praktizierender. Sie ist nicht willkürlich, nicht unbewusst oder zufällig. Sie ist die Essenz der Auseinandersetzung mit sich (Geduld) und Anderen (Respekt) der Umwelt und Himmel und Erde

In der praktischen Umsetzung ist die Anzahl der Teilnehmer*innen nicht wichtig, solange die Form sich auf den Raum und seine Funktion bezieht.

 

Die Hamburger Modellwohnung: Zellen

Das Kraftwerk: Energien

Das Rathausportal: Begegnungen

 

Das Wesen einer Zelle ist ihre Abgeschlossenheit. Diese bietet Schutz und Raum zur Entwicklung. Aber Entwicklung findet nicht beliebig statt, sondern nur in dem Rahmen, in dem Raum zur Verfügung steht. So muss das Huhn am Ende seines Embryonalstadiums die Eierschale zerbrechen, um weiter leben zu können und erobert sich damit einen neuen Raum, der wieder anderen Gesetzen gehorcht. Dienen aber unsere Wohnungen der Entwicklung oder sind sie nur Aufbewahrungsorte des immergleichen? Lassen sie einen respektvollen Umgang miteinander und in Würde zu? Entsprechen sie unserem Maß? Aus der ostasiatischen Bewegungslehre gibt es dazu zwei Bilder:

Ein Gänseküken wird in eine Flasche gesetzt und gefüttert! Irgendwann ist es zu groß, um noch durch den Flaschenhals zu passen. Da entsteht die Frage: Wie kommt das Küken aus der Flasche; was kann ich tun, ohne ihm Schaden zuzufügen?

 

Ein Fisch wird nur so groß wie der Raum, in den er hineinpasst. In einem kleinen Teich bleibt er klein, in einem großen Teich wird er größer. Die Frage ist: Willst Du das Risiko auf dich nehmen, im Ozean zu leben?

In der koreanischen Philosophie steht das Quadrat als Symbol für die Erde, die uns schützt und nährt und Boden und Basis bietet. Der Kreis für den Kosmos in all seiner Unendlichkeit, und die Harmonie der Pole von Um (Yin) und Yang, sowie das Dreieck für die Bewegung dieser Harmonie in der Zeit., so wie aus der Polarität von positiv und negativ auch in der Elektrizität neue Energie entsteht. Die Kombination aller drei Zeichen wird auch Symbol der Himmelsweisheit genannt.

Veranstalter*in:  maps - moving art performance im Chon-Jie-In Haus Hamburg
Termin: 16.06, 10 - 16 Uhr
Eintrittspreise / Teilnahmegebühren:  8,50 €/ erm. 5 €/ Gruppen ab 10 Pers. 6 €/ Kinder frei
Ort: Museum der Arbeit, 22309 Hamburg, Wiesendamm 3, Innenhof
Info: 0176 48252301
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