Hamburger Architektur Sommer 2019
 
 
Vortrag mit anschließender Diskussion
18.06

Reformgartenkunst im Hamburger Raum - "ein Stück der großen Auseinandersetzung unserer Zeit zwischen Rhythmus und Muskel“

Nicht nur eine Entgegnung auf die als schablonenhaft empfundenen Gärten des „langen 19. Jahrhunderts“ sollte sie sein. Eine Zeit, die bereits im Ornament eine Nähe zum Verbrechen witterte, sah Reformgartenkunst als Teil einer umfassenden Lebensreformbewegung. Die neuen „Gartenarchitekten“ propagierten Reformgärten als Weg, eine zuvor bloß dekorative Gartenkunst mit drängenden Gesellschaftsbedürfnissen zu versöhnen.

In Hamburg prallten Anfang des 20. Jahrhunderts die grünen Bilderstürmer um Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark auf gartenkünstlerische Traditionalisten. Im wort- und bildreichen Getümmel um die Gestaltung des Hamburger Stadtparks konnten sich die jungen Wilden schließlich behaupten. Doch war auch die Seite der siegreichen Reformgartenkünstler keineswegs einig: Zwischen selbstlosem „Gartensozialismus“, städtischer Wohlfahrtspflege und lukrativen Privataufträgen changierend, schufen sie Parks, Gärten und städtebauliche Ensembles von großer Qualität. Die Namen vieler Hamburger Gartenarchitekten dieser Zeit wie Otto Linne, Leberecht Migge, Ferdinand Tutenberg, F. Georg Hölscher, Rudolph Schnackenberg und Hermann König haben daher auch heute noch einen meist sehr guten, mindestens beeindruckenden Klang.

Viele ihrer Gestaltungen - von denen bekannte, aber auch weitgehend vergessene vorgestellt werden sollen - ereilte allerdings ein verfrühtes Ende: Nachdem sich Reformgärten- und -parks recht problemlos in Blut-und-Boden-Phrasen oder gigantomanische Raumkonzepte der NS-Zeit hatten überführen lassen, überformte eine neue Planergeneration nach dem Krieg viele der alten Anlagen politisch korrekt mit „fließenden Räumen“ oder bagatellisierten sie. Die Faszination der bildhaft oder real überkommenen Reformgärten mit ihren weitgreifenden künstlerischen und sozialen Ansprüchen hat dies nicht gemindert.

 

Veranstalter*in:  Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V.
Termin: 18.06, 19 Uhr ca. 1,5 Std.
Anmeldemodalitäten: 

Anmeldung erforderlich unter:

luecke@gartengesellschaft.de - www.gartengesellschaft.de

Eintrittspreise / Teilnahmegebühren:  8,50 € für Nichtmitglieder
Ort: Freie Akademie der Künste in Hamburg e.V., 20095 Hamburg, Klosterwall 23
Info: 040 81 99 77 57
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Karte
Gartenbauausstellung Altona 1914, Donners Park
© Bildarchiv Joachim Schnitter, Hamburg
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© Bildarchiv Joachim Schnitter, Hamburg

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