Veranstaltungsreihe Weiterbauen XI
13.05 / 20.05 / 27.05 / 03.06 / 10.06 / 17.06 / 24.06 / 01.07

Weiterbauen XI

Die Weiterentwicklung bestehender Bausubstanz entwickelt sich besonders in den Städten zunehmend zur Hauptaufgabe von Architekten und Bauherren. Und das in nahezu jeder Größenordnung. Die Beispiele, die die Freie Akademie der Künste, die Hamburgische Architektenkammer, der BDA Hamburg und das Denkmalschutzamt Hamburg 2015 für die Reihe »Weiterbauen« ausgewählt haben, zeigen die große Bandbreite der Aufgaben. Sie reicht von der weitgehenden Rekonstruktion einer Bahnsteigbrücke über die Revitalisierung eines ganzen Häuserblocks in Ottensen, die faszinierende Umnutzung zweier Markthallen bis zur Umnutzung der ehemaligen Kaffeebörse in der Speicherstadt zum Hotel – um nur einige Beispiele des Umgangs mit denkmalgeschützter Bausubstanz zu nennen, die die Reihe betrachtet.

 

Mi 13. Mai, 16 Uhr

Rekonstruktion der Bahnsteigbrücke

U-Bahnhof Kellinghusenstraße

Albert Schett (Denkmalschutzamt), Mathias Hein (Architekt)

Historische Bahnsteigbrücken gehören in Deutschland zu einer stark bedrohten Spezies. Hohe Kosten für die Instandhaltung und Modernisierungsdruck sorgten für etliche Abbrüche. Dabei prägen diese Bauwerke oftmals das Gesicht der Stationen. Ein reizvolles Beispiel aus der Zeit des Neuen Bauens bietet die Brücke der U-Bahn-Station Kellinghusenstraße in Hamburg-Eppendorf. Sie wurde nun in großen Teilen neugebaut. Nach historischem Vorbild, in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt und mit sinnvollen Details für ein längeres Leben.

Die Brücke, 1929 im Zuge der Bahnsteigverlängerungen vom Architekten Walter Puritz errichtet, repräsentiert in ihrer streng kubischen Gestalt einen für die Hochbahn radikal neuen Stil. Längst zählt die Bahnsteigbrücke zu den markanten Bauten der klassischen Moderne in Hamburg und wurde schon 1977/78 umfassend saniert. Doch erneut auftretende Bauschäden führten dazu, dass die Brücke nun weitgehend neugebaut werden musste. Die 36 Jahre zuvor erneuerten Fensterrahmen aus Holz waren ebenso vergammelt wie die Stahlträger im unteren Teil. Die Ursache: Über den vielen Querriegeln der Sprossenfenster sammelte sich stets Feuchtigkeit, die in das Bauwerk eindrang. Deshalb veränderte der Architekt Mathias Hein das Innenleben des Neubaus. Die Pfosten der Fensterflächen sind nun hohl, so dass Wasser ablaufen kann. In die Hohlräume der Pfosten integrierte Edelstahlprofile, von außen nicht sichtbar, tragen die Konstruktion. Das außen angespitzte Profil erzeugt im Spiel mit Licht und Schatten die charakteristische filigrane Fernwirkung. Die Farbgebung entspricht weitgehend dem historischen Befund. Die nur vordergründig »kleine Architekturaufgabe« war unter anderem auch wegen der komplexen Geometrien des kleinteiligen Baus nicht einfach.

Mi 20. Mai, 16 Uhr

Umnutzung Kaffeebörse in der Speicherstadt

Stefan Waselowsky (Winking Froh Architekten), Albert Schett (Denkmalschutzamt), Klaus Hadaschik (HHLA Speicherstadt Immobilien GmbH), N.N. (pbr AG)

Mi 27. Mai, 16 Uhr

Umbau Kapernaumkirche zur Al-Nour-Moschee

Ilan Jorge (Architekturbüro Moutraji), Daniel Abdin (Vorstandsvorsitzender Islamisches Zentrum Al-Nour e.V.), Ursula Markfort (Denkmalschutzamt

Mi 3. Juni, 16 Uhr

Umbau der Fachbibliothek Sozialwissenschaften im »Pferdestall«

Katrin Meyer (Denkmalschutzamt), Gesine Beyer, Christina Radtke (Trapez Architektur), Michael Eiden (Leiter der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek)

Der sogenannte Pferdestall am Allende-Platz ist das älteste Gebäude auf dem Campus der Universität Hamburg. 1908 als Betriebsstätte für ein Fuhrunternehmen erbaut, umfasste es seinerzeit Büros, Werkstätten, Remisen für Fuhrwerke und Stallungen für über 200 Pferde. Bereits 1928 erwarb die Stadt das Gebäude und ließ es für Universitätsinstitute herrichten. Heute beherbergt der »Pferdestall« u.a. die 2013 von Trapez Architektur umgebaute Fachbibliothek Sozialwissenschaften. Die Umstellung von einer platzintensiven Freihandbibliothek auf eine moderne Magazinbibliothek ermöglichte eine komplett neue Raumorndung: Eine offene Studierlandschaft ersetzt die ehemals kleinteiligen Raumstrukturen, mit einer Durchmischung von Freihandregalen und Arbeitsplätzen ist eine differenzierte Bibliotheksstruktur entstanden. Freistehende Regale dienen als raumbildende Elemente und formen so drei unterschiedliche »Lernwelten«. Ein mit dem Denkmalschutz abgestimmtes Farbkonzept nimmt Bezug auf die drei Zonen. Bis auf einige erhaltenswerte Innenwände wurde das dritte Geschoss größtenteils entkernt und kommt nun seiner ursprünglichen Grundrissform wieder näher. Viele Elemente wie Türen, Fenster, Fußleisten und die gusseisernen Stützen wurden in Ihrer Originalform erhalten oder wieder hergestellt.

Mi 10. Juni, 16 Uhr

Erweiterung des Bürgerhauses Barmbek

Christoph Bartsch, Dietmar Ridder (Denkmalschutzamt), Stefan Darius (KBNK Architekten), Ulli Smandek (Bürgerhaus Barmbek)

Die Polizeiwache am Hartzlohplatz in Barmbek-Nord wurde 1929/30 nach Plänen von Fritz Schumacher erbaut. Nach der Schließung der Wache wurde das Gebäude Anfang der 1980er Jahre zum Stadtteilkulturzentrum umgebaut und später als Bürgerhaus genutzt. 2010 gingen KBNK Architekten als Sieger aus einem Wettbewerbsverfahren für einen Erweiterungsbau hervor, der 2014 realisiert wurde. Der Erweiterungsentwurf zollt dem Bestandsbau insofern Respekt als sein Ansatz, d.h. die Gliederung in unterschiedlich proportionierte Baukörper, dem Konzept Schumachers folgt. Das Foyer wurde weit zurückliegend an das historische Gebäude angeschlossen. Ein als Terrasse nutzbarer Eingangshof wurde als Zone zwischen Alt- und Neubau angeordnet, so dass der neue Saal zwar freigestellt wird, sich gegenüber dem Bestand aber weiterhin zurückhält. Dabei wird die Hierarchie von Alt und Neu nie infrage gestellt. Zusammen mit den Freiflächen entsteht ein ausgewogenes Ensemble von hoher räumlicher Qualität. Eine an den Bestand angelehnte, zurückhaltende Fassadengestaltung mit Klinker als Hauptmaterial prägt auch den Neubau. Entwurfsmotive des Bestands wie Stahlbetonstützen und Gesimse werden neu interpretiert und finden in der klaren und sachlichen Fassade ihren Ausdruck.

Mi 17. Juni, 16 Uhr

Revitalisierung des Eisenbahndirektionsgebäudes in Ottensen

Alexander Krauß (Denkmalschutzamt), Jo Landwehr (LH Architekten), Roland Thies (DWI Grundbesitz)

Vis à vis dem erst 1898 fertig gestellten »neuen« Altonaer Hauptbahnhof entstand im Zuge der Planungen des »Kaiserplatzes« (heute »Platz der Republik«) zwischen 1893 und 1895 das hufeisenförmige Direktionsgebäude der Deutschen Reichsbahn im gotisierenden Backsteinstil. Zwischen 1934 und 1936 erhielt es einen ersten Erweiterungsbau »Am Felde«. In den 1950er Jahren wurde etwas südlich, zwischen den Straßen Am Felde und Winterstraße, über einem alten Bunker im Keller- und Erdgeschoss ein weiterer, etwas zurückgesetzter Flügel errichtet. Während das Bahnhofsgebäude in den 1970er Jahren abgerissen und durch ein Kaufhausgebäude ersetzt wurde, blieb das Reichsbahngebäude als Verwaltungsgebäude der Deutschen Bundesbahn erhalten. Das 4 bis 7-geschossige Hofensemble wurde nun nach Plänen von LH Architekten vollständig saniert und neuen, vielfältigen Nutzungen zugeführt. Neben Wohnungen für Studenten, einer Musicalschule, Büroflächen für die Kreativwirtschaft, einem Hotel und einem Kita-Neubau werden die Nutzungen im Erdgeschoßbereich durch Ladengeschäfte und Gastronomische Betriebe ergänzt.

Mi 24. Juni, 16 Uhr

Umnutzung Rindermarkthalle

Nico Versace (pbr AG), Albert Schett (Denkmalschutzamt), N.N. (Sprinkenhof AG)

Mi 1. Juli, 16 Uhr

Musicaltheater in der Hamburger Großmarkthalle

Albert Schett (Denkmalschutzamt), Frans Dikmans (F101 Architekten), N.N. (Mehr! Entertainment GmbH)

Die 1962 unter der Leitung des Architekten Bernhard Hermkes errichtete Hamburger Großmarkthalle setzte mit ihrer futuristischen Architektur aus Glas und Beton bereits bei Fertigstellung Maßstäbe. Heute steht sie als eines der letzten Beispiele von Spannbetonbauten in Hamburg unter Denkmalschutz. Rund 4.000 der insgesamt 40.000 m2 Marktfläche wurden nun vom Büro F101 Architekten für die Mehr! Entertainment GmbH zu einem Multifunktionstheater umgebaut und wird damit einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Die Deckenkontruktion der Halle mit ihren monumentalen Spannbetonbögen bleibt hierbei nicht nur sichtbar, sondern bildet einen wesentlichen Bestandteil der Innengestaltung. Der Saal ist für bis zu 2.400 Sitzplätze ausgelegt, in einer Kombination aus Steh- und Sitzplätzen finden bis zu 3.500 Zuschauer Platz. Mit einer variablen Bühnenbespielbarkeit von 320 bis 1.440 m2 ist die Bühne von bis zu vier Seiten einsehbar und für die verschiedensten Produktionen nutzbar. Saal, Foyer und die Bars sind großzügig und offen gestaltet, auf Trennwände und Zwischendecken wurde zugunsten eines offenen Raumgefühls weitgehend verzichtet.

 

Veranstalter:  Hamburgische Architektenkammer, Freie Akademie der Künste, BDA Hamburg, Denkmalschutzamt Hamburg
Termin: 13.05 / 20.05 / 27.05 / 03.06 / 10.06 / 17.06 / 24.06 / 01.07, jeweils 16 Uhr
Anmeldemodalitäten: 

Eine verbindliche Anmeldung ist zwingend erforderlich und

bis spätestens sieben Tage vor der jeweiligen Veranstaltung per Fax an (040) 32 69 29 oder per E-Mail an weiterbauen@fadk.de.

Informationen zum jeweiligen Treffpunkt erhalten Sie bei Anmeldung.

Eintrittspreise / Teilnahmegebühren:  5,00 € je Termin
Ort: 
Info: 
Fachbibliothek Sozialwissenschaften "Pferdestall"
©
Bürgerhaus Barmbek
© Markus Dorfmüller, Markus Kröger, Johanna Klier
bahn_hoefe Ottensen
© Visualisierung dreidesign
Großmarkthalle
© F101 Architekten
Rindermarkthalle
© pbr AG
Kaffeebörse
© Hamburgisches Architekturarchiv
Kapernaumkirche
© Architekturbüro Moutraji

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